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Vernissage-Redner Matthias Anderegg, der Künstler Alois Herger mit einem seiner Leuchtobjekte, sowie Bea Beer, Präsidentin des Quartiervereins Weststadt, freuen sich über die Premiere von «à la folie» beim Lusthäuschen. von Katharina Arni-Howald — az Solothurner Zeitung

 

© Hansjörg Sahli

Das Lusthäuschen beim Henzihof in der Solothurner Weststadt hat eine grosse Fangemeinde. Anders lässt es sich nicht erklären, dass so viele Quartierbewohner und sonstige Liebhaber der Kleinarchitektur den ersten kulturellen Anlass «à la folie» besuchten.

Wer dachte, dass das vom Quartierverein Weststadt gehegte und gepflegte Kleinod in der Hostet beim Henzihof an diesem Abend bloss zur Freude so mystisch beleuchtet wurde, hatte sich vorerst getäuscht.

Wer näher hinguckte entdeckte, dass sich die Wiese in einen Skulpturenpark verwandelt hatte. Bereits vorne beim Kiesweg begrüsste das inzwischen legendäre steinerne «Muneli» vom ebenfalls in der Weststadt ansässigen Steinbildhauer Alois Herger die Besucher.

Für Leib und Seele

Doch das war nicht das einzige Objekt des Solothurner Künstlers, das in Licht getaucht für Bewunderung sorgte. Da, wo die Türen des Lusthäuschen zur Besichtigung weit offen standen, blickten die Besucher in steinerne, ausdruckstarke Gesichter, bei denen Herger mühsam jedes Detail herausgearbeitet hatte.

Daneben brutzelten bereits Gemüsewürste und Maiskolben auf dem Grill. Naschereien, die zu den künftigen, von einem Gastro-Team begleiteten kulturellen Anlässen beim Lusthäuschen gehören werden.

Immer am letzten Freitag

Wie geplant sollen diese unter dem Begriff «à la folie» stehenden und von einer ins Leben gerufenen Kulturkommission organisierten Anlässe jeweils am letzten Freitag des Monats um 19 Uhr stattfinden und lokalen Kulturschaffenden eine Plattform bieten. Der Titel des Anlasses hat weniger mit dem Wort «verrückt» zu tun, als vielmehr mit englischer Kleinarchitektur wie sie im 19. und teils noch im 20. Jahrhundert gepflegt wurde, als das architektonische Bijou entstand.

Drei Probedurchgänge

Um das Interesse an derartigen Veranstaltungen in einem multikulturellen Quartier zu erkunden, werden im September, Oktober und November drei Probedurchgänge organisiert. Bereits nach dem ersten Anlass dürfte allerdings klar sein, dass sich die Quartierbewohner und auswärtigen Besucher über eine Fortsetzung des Anlasses freuen würden. Immerhin steht die Stadt dem Projekt wohlwollend gegenüber, dies, obwohl die Zukunft des Lusthäuschens wegen der Überbauung Westblick fraglich ist.

Gewürdigt wurde die Eröffnung des neuesten Projekts des Lusthäuschen-Teams von der Präsidentin des Quartiervereins, Bea Beer. Sie freute sich insbesondere, dass das kleine Bauwerk auf der grünen Wiese immer wieder zahlreiche Leute anzieht, auch solche, die den Ort zum ersten Mal besuchen. «Wer das Häuschen einmal kennt, liebt es», wusste sie aus Erfahrung.

Matthias Anderegg würdigte das Werk des Steinbildhauers Alois Herger, der als Erster die Gelegenheit hatte, seine Arbeiten vorzustellen. «Es gibt keinen schöneren Ort, um seine Objekte an einem frühherbstlichen Abend zu präsentieren», war der Architekt überzeugt.

«Ich fühle mich wohl hier und werde auch die folgenden Anlässe besuchen», drückte eine ältere Frau, die nicht namentlich genannt werden will, ihre Gefühle aus und tunkte an einem langen Holztisch ein paar Gemüsestengel in eine Sauce, die offensichtlich hervorragend mundete. Essen und Kultur, das passt scheinbar sehr gut zu diesem charmanten Treffpunkt weitab vom emsigen Treiben in der Stadt.