weststadt panorama

"Eike, 53: Ich habe eine Superwohnung und eine ideale Lage, ich wohne zentral, bin schnell in der Stadt und im Grünen."
>>> Weitere Stimmen aus dem Quartier

Vernissage-Redner Matthias Anderegg, der Künstler Alois Herger mit einem seiner Leuchtobjekte, sowie Bea Beer, Präsidentin des Quartiervereins Weststadt, freuen sich über die Premiere von «à la folie» beim Lusthäuschen. von Katharina Arni-Howald — az Solothurner Zeitung

 

© Hansjörg Sahli

Das Lusthäuschen beim Henzihof in der Solothurner Weststadt hat eine grosse Fangemeinde. Anders lässt es sich nicht erklären, dass so viele Quartierbewohner und sonstige Liebhaber der Kleinarchitektur den ersten kulturellen Anlass «à la folie» besuchten.

Wer dachte, dass das vom Quartierverein Weststadt gehegte und gepflegte Kleinod in der Hostet beim Henzihof an diesem Abend bloss zur Freude so mystisch beleuchtet wurde, hatte sich vorerst getäuscht.

Wer näher hinguckte entdeckte, dass sich die Wiese in einen Skulpturenpark verwandelt hatte. Bereits vorne beim Kiesweg begrüsste das inzwischen legendäre steinerne «Muneli» vom ebenfalls in der Weststadt ansässigen Steinbildhauer Alois Herger die Besucher.

Für Leib und Seele

Doch das war nicht das einzige Objekt des Solothurner Künstlers, das in Licht getaucht für Bewunderung sorgte. Da, wo die Türen des Lusthäuschen zur Besichtigung weit offen standen, blickten die Besucher in steinerne, ausdruckstarke Gesichter, bei denen Herger mühsam jedes Detail herausgearbeitet hatte.

Daneben brutzelten bereits Gemüsewürste und Maiskolben auf dem Grill. Naschereien, die zu den künftigen, von einem Gastro-Team begleiteten kulturellen Anlässen beim Lusthäuschen gehören werden.

Immer am letzten Freitag

Wie geplant sollen diese unter dem Begriff «à la folie» stehenden und von einer ins Leben gerufenen Kulturkommission organisierten Anlässe jeweils am letzten Freitag des Monats um 19 Uhr stattfinden und lokalen Kulturschaffenden eine Plattform bieten. Der Titel des Anlasses hat weniger mit dem Wort «verrückt» zu tun, als vielmehr mit englischer Kleinarchitektur wie sie im 19. und teils noch im 20. Jahrhundert gepflegt wurde, als das architektonische Bijou entstand.

Drei Probedurchgänge

Um das Interesse an derartigen Veranstaltungen in einem multikulturellen Quartier zu erkunden, werden im September, Oktober und November drei Probedurchgänge organisiert. Bereits nach dem ersten Anlass dürfte allerdings klar sein, dass sich die Quartierbewohner und auswärtigen Besucher über eine Fortsetzung des Anlasses freuen würden. Immerhin steht die Stadt dem Projekt wohlwollend gegenüber, dies, obwohl die Zukunft des Lusthäuschens wegen der Überbauung Westblick fraglich ist.

Gewürdigt wurde die Eröffnung des neuesten Projekts des Lusthäuschen-Teams von der Präsidentin des Quartiervereins, Bea Beer. Sie freute sich insbesondere, dass das kleine Bauwerk auf der grünen Wiese immer wieder zahlreiche Leute anzieht, auch solche, die den Ort zum ersten Mal besuchen. «Wer das Häuschen einmal kennt, liebt es», wusste sie aus Erfahrung.

Matthias Anderegg würdigte das Werk des Steinbildhauers Alois Herger, der als Erster die Gelegenheit hatte, seine Arbeiten vorzustellen. «Es gibt keinen schöneren Ort, um seine Objekte an einem frühherbstlichen Abend zu präsentieren», war der Architekt überzeugt.

«Ich fühle mich wohl hier und werde auch die folgenden Anlässe besuchen», drückte eine ältere Frau, die nicht namentlich genannt werden will, ihre Gefühle aus und tunkte an einem langen Holztisch ein paar Gemüsestengel in eine Sauce, die offensichtlich hervorragend mundete. Essen und Kultur, das passt scheinbar sehr gut zu diesem charmanten Treffpunkt weitab vom emsigen Treiben in der Stadt.

Andreas Kaufmann (Text und Foto)

Das Lusthäuschen beim Henzihof gilt als inoffizieller Treffpunkt der Quartierbewohner – seine Zukunft aber ist nach wie vor unklar

lusthaeuschen

An diesem Morgen gäben sich die Besucher die Klinke in die Hand – wenn die Pforten des Lusthäuschens nicht ohnehin schon offen wären. Drinnen trifft man auf Bea Beer, Präsidentin des Quartiervereins Weststadt. Stühle als Hinterlassenschaft des Vorabends: Der «Chor der Nationen» hat hier auf kleinem Raum ein Festli steigen lassen, nun gehts ans Aufräumen. Gleich daneben hilft eine Frau mit ihren Kindern bei der Pflege des Umschwungs mit der Hochstamm-Hostet mit. «Ich hüpfe gern auf dem Heu herum», verrät die fünfjährige Sofie nach erfolgtem Heuen. «Die Kinder sollen den Bezug zur Natur haben. Und wir müssen die Möglichkeiten nutzen, ihnen zu zeigen, was eine Heugabel ist», sagt Mutter Bettina Kunz. Durch ihr Engagement an einem Gemeinschaftsgarten sei sie auch aufs Lusthäuschen aufmerksam geworden. Nun zählt sie zu den zahlreichen Nutzniessern und Helfern des inoffiziellen Quartiertreffpunkts.

Von jenen, die man nicht vor Ort antrifft, liest man im «Hüttenbuch». Von der Bitte junger Besucherinnen: «Liebe Lusthäuschenbesitzer: Dürfen wir hier einen Mädchentreff machen?» Beim Weiterblättern findet man die Einladung zum Äpfelpflücken oder zur «Stunde der Gartenvögel». Fotos und handschriftliche Einträge erzählen: von Asylsuchenden, die beim Mosten mithelfen, vom Chindsgi auf Besuch, von Erntedankfesten, von der Eröffnung der Grillstelle, die auch im tiefsten Winter Dutzende Interessierte anlockte, von Sägessekursen ... Und vor allem erfährt man über zupackende Hände, die hier in den vergangenen vier Jahren einiges geschaffen haben.

Unterstützung mit Tat und Geld

Schon als Mädchen spazierte Beer selbst am Häuschen vorbei, das hier – in Efeu und Brombeerstauden gekleidet – geduldig ausharrte, verwunschen und verfallen, aber nicht ganz vergessen. Als Kohlelager wurde das Kabäuschen zwischenzeitlich gebraucht – und von der Lustbarkeit, vom süssen Nichtstun, um derentwillen es der Fabrikant Franz Henzi 1915 erbaut hatte, blieb eine dumpfe Ahnung. Kaum 100 Jahre nach seinem Bau, 2013, holte es der Quartierverein unter fachkundiger Anleitung aus seinem Dornröschenschlaf. Neben unzähligen Fronstunden der Fans kam die Unterstützung der Stadt, der Denkmalpflege, des Heimatschutzes, einiger Stiftungen und weiterer Sponsoren hinzu. Rund 130 000 Franken flossen bereits in den Topf. Investiert wurden 75 000 Franken, zuzüglich weiterer 24 000 Franken für den Erschliessungsweg. Zudem zieren besagte Grillstelle und ein altersgerechtes Sitzbänkli der Age-Stiftung das Ensemble.

bea  Eigentlich ist das Lusthäuschen um Längen zu klein für ein Quartierzentrum, wie es der Weststadt-Verein seit langem ins Auge fasst. Dennoch hat es den Treffpunkt-Charakter mit Anziehungskraft: «Ich habe noch nie erlebt, dass das Häuschen jemanden kaltlässt», so Beer. Und stören tue das Häuschen kaum jemanden. Mehr noch: Das Lusthäuschen ist bereit für mehr. «Es gibt unfertige Stellen sowie neue Ideen», sagt Beer. Ab 1. September könnten regelmässige Anlässe im familiären Rahmen stattfinden, Stubete, Podien, Ausstellungen, Lesungen, sagt Beer.

Der «Weitblick» naht

Bei allem Engagement gibt es nun aber einen entscheidenden Bremsklotz namens Ungewissheit: Der Henzihof befindet sich auf einem Baufeld des «Weitblicks». Im Horizont der nächsten 45 Jahre soll hier eine Arealfläche von 175 000 Quadratmetern erschlossen werden. «Aktuell lässt die Stadt durch ein externes Fachbüro die Schutzwürdigkeit des Henzihofs mit Nebenbaute und Lusthäuschen abklären», ist vom Stadtbauamt auf Anfrage zu hören. Für einen Abriss vorgesehen seien jedoch Stöckli und Nebengebäude des Henzihofs. Die Mieter ziehen per Ende 2017 aus. Spätestens bis 2019 dürften auch die Bewohner des Henzihofs selbst ausgezogen sein.

Ob es also das Lusthäuschen in fünf Jahren noch gibt, weiss niemand. So verstehen auch die Fans das Objekt ihrer Freude als «Zwischennutzung», ähnlich wie jene des benachbarten Bikeparks. Dies macht nun aber künftige Investitionen und die Sponsorensuche nicht einfacher. Derweil wird seitens «Weitblick»-Charta der Begriff «Identitätsanker» ins Feld geführt – um zu zeigen, was genau in dieser Ecke des «Weitblick»-Perimeters entstehen soll. Über die Zusammenarbeit mit der Stadt zeigt sich Beer dennoch zufrieden. Und positiv stimmt sie, dass gerade die kantonale Denkmalpflege genau hinschaue. Auch wenn das Lusthäuschen bloss schützenswert, aber nicht geschützt ist: «Es ist einzigartig in der Schweiz.» Bereits vor zwei Jahren würdigte Stefan Blank als Leiter der Denkmalpflege dessen einmaligen Charakter. Es sei ein Beispiel für Historismus und verbinde neugotische Spitzbogenfenster, fernöstliche Elemente und englische Kleinarchitektur sowie den Schweizer Chaletstil. Das Verarbeiten von Kieselsteinen und Ziegelbruchstücken verleihe dem Bau eine «Grotten»-Optik, schreibt die Fachliteratur. Als Kuriosum: Das Lusthäuschen verfügt über einen Ein-Personen-Liftschacht, der in den Dachstock führt. Ob der damalige Lift handbetrieben oder elektrifiziert war, ist unklar.

Lusthäuschen versetzen?

Einige sind schon bei Beer mit der mehr oder weniger ernsthaften Absicht vorstellig geworden, dem Lusthäuschen im eigenen Garten Asyl zu gewähren. «Auch ich würde es gerne bei mir aufnehmen», sagt sie selbst schmunzelnd. Nun ist der Umzug von Gebäuden an einen anderen Standort technisch nicht grundsätzlich unmöglich, aber laut Baufachleuten halt enorm teuer. «Ausserdem gehört das Häuschen hierhin – ins Ensemble mit Henzihof und Hostet.» In dieser Gebäudekombination, so Beers Idee und Hoffnung, könnte der dereinstige Wunsch nach einem Quartierzentrum seine Erfüllung finden. «Der besagte Identitätsanker existiert nämlich schon», sagt Beer und zeigt aufs Lusthäuschen: «Hier ist er.»

Am Fichtenweg ist der erste Gemeinschaftsgarten der Stadt Solothurn am Entstehen. Und schon beim Rasenumstechen wird offensichtlich, die vielen - in ihrer langjährigen Ruhe nun plötzlich gestörten -Würmer, haben den Boden für das neuste Weststadt-Projekt bereits bestens vorbereitet.
Die rund 8 x 6 m grosse Pflanzfläche wird in den kommenden Wochen vollständig umgegraben und für die Bepflanzung ab Ende Mai vorbereitet. Von und für Quartierbewohnende werden dann Gemüse, Früchte, Beeren und Kräuter wachsen.

Haben Sie Freude am gemeinsamen Gärtnern und möchten am Gemeinschaftsgarten am Fichtenweg mitwirken? Dann freut sich Veronika Christen, von Ihnen zu hören. Telefon 032 621 06 27 oder Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Gemeinschaftsgaren1 web

Gemeinschaftsgarten2 web

Vielfältige Aktivitäten halten den Solothurner Quartierverein Weststadt auf Trab. Das Lusthäuschen und die Hostet beschäftigt den Verein sehr. Noch fehlt Geld für die Fertigstellung der Innensanierung.

Seit dem durch die Hochschule Luzern begleiteten Quartierentwicklungsprojekt Solothurn West ist die Weststadt eines der aktivsten Quartiere der Stadt. Dass dies so geblieben ist, liegt insbesondere am damals gegründeten Quartierverein, der heute zusammen mit der Quartierarbeiterin Regula Aepli dafür sorgt, dass immer wieder neue Ideen umgesetzt werden können. Das zeigte sich auch an der diesjährigen, gut besuchten Mitgliederversammlung des umtriebigen Vereins.

Innen wird renoviert

Im Vordergrund steht seit einiger Zeit schon der Erhalt und die Renovation des in der Hostet südöstlich des Henzihofs gelegenen Lusthäuschens, das in der Tradition der romantisierenden Kleinarchitektur erbaut wurde und im Kanton einzigartig ist. Wie aus dem Jahresbericht hervorgeht, sind nach der Aussenrenovation Renovationen im Innern des Gebäudes angelaufen.

Gregor Häusler betonte im Namen des Vorstandes, dass die Geldbeschaffung auch in Bezug auf das Lusthäuschen immer wieder ein Problem ist. «Wir stehen leider in der unangenehmen Situation, dass von Seiten der Stadt noch zu wenig klare Zeichen für den Erhalt dieses Kleinods da sind», so Häusler. Für die Fertigstellung der Innenrenovation sind noch rund 40'000 Franken nötig. Vereinspräsidentin Bea Beer zeigte sich in der Aula des Schulhaues Brühl zuversichtlich: «Wir glauben daran, dass wir das Geld zusammenbringen.»

lusthaus panorama

Hostet-Gruppe gebildet

Ein wichtiges Thema ist auch die Hostet mit Hochstammbäumen, in der sich das Lust- und Gartenhäuschen befindet. Deren Pflege ist intensiv, so dass sich eine spezielle Hostet-Gruppe gebildet hat. Im vergangenen Jahr nahmen verschiedene Weststädter an einem Mäh-Tag teil und lernten dabei mit der Sense umzugehen. Im Rahmen eines Erntetages wurde anfangs Oktober ein grosser Teil der Äpfel vermostet.

Der Süssmost wurde pasteurisiert und im November verkauft. Während einigen Wochen verwandelte sich die Hostet zudem in eine Schafweide. Der grosse Stolz des Vereins ist zurzeit der im Januar bei eisiger Kälte eingeweihte Grill, der vom Bioterra-Fachmann Benedikt Bohren geplant und in Auftrag gegeben wurde. Eine private Spende von 5000 Franken, die für die Hostet bestimmt ist, hat das Resultat der Jahresrechnung 2016 positiv beeinflusst.

Ein Highlight ist auch der am Fichtenweg entstehende Gemeinschaftsgarten, der allen Quartierbewohnern für die Pflanzung von Gemüse und Früchten zur Verfügung steht. Zusammen mit dem am selben Ort erneuerten Spielplatz eignet sich der Garten hervorragend auch für einen Quartiertreffpunkt.

Quartierfest nimmt Formen an

Quartierarbeiterin Regula Aepli lobte den neuen Schwung, der in der Weststadt dank der Quartierkonferenz im vergangenen Jahr entstanden ist. «Dank dieser sind neue Initiativgruppen und Aktivitäten wie der Quartiermarkt vom vergangenen Samstag entstanden.» In vollem Gange seien auch die Vorbereitungen für das geplante Quartierfest auf dem Spielplatz Tannenweg vom 1. Juli.

Im vergangenen Jahr haben die Gründungsmitglieder Mario Cavoli, Co-Präsidentin Monika Grossenbacher, Käthi Uebelhart und Thomas Steinbeck den Vorstand verlassen. Daniel Grädel musste die Arbeit aus beruflichen Gründen aufgeben. Der siebenköpfige Vorstand setzt sich heute aus Bea Beer (Präsidentin), Ruth Andraschko, Gregor Häusler, Kathrin Kuckelsberg (neu), Hanne Leuenberger, Martin Osieka (neu) und Katrin Panzeri (neu) zusammen.

von Katharina Arni-Howald — az Solothurner Zeitung

Ein herzliches Dankeschön für viel freiwilliges Engagement!

Die Anzahl Menschen, die sich ehrenamtlich in der Weststadt für ein aktives und verständnisvolles Zusammenleben aller Quartierbewohnenden engagieren, ist beeindruckend – auch für die Beteiligten selber. Über dreissig Frauen und Männer bringen ihre kreativen Ideen im Vorstand des Weststadt Quartiervereins ein und helfen bei seinen zahlreichen Aktivitäten mit, betreuen mit Hingabe verschiedenste Austausch- und Hilfsangebote der Quartierarbeit Solothurn West, legen tatkräftig den ersten Gemeinschaftsgarten in der Stadt Solothurn an, begleiten und beraten junge Eritreer und Afghanen in den Asylunterkünften und leisten noch vieles anderes mehr.... Dieses freiwillige Engagement ist im Quartier am Rande der Stadt Solothurn nicht mehr wegzudenken und lässt die Weststadt für Jung und Alt immer wieder zum Mittelpunkt werden. Ein Quartier, wo Menschen verschiedenster Kulturen, teilweise auf engem Raum zusammenleben, wo Ungewöhnliches entsteht und sich kontinuierlich weiterentwickelt.

So lustvoll und befriedigend das freiwillige Engagement für die Beteiligten immer wieder ist, so sind die vielen ehrenamtlich geleisteten Tätigkeiten doch bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Auch im Namen der Stadt Solothurn bedankte sich die Quartierarbeit Solothurn West in diesem Jahr bei allen Engagierten herzlich und lud zu einer Führung durch das Stadttheater Solothurn und einem anschliessenden geselligen Nachtessen im Restaurant Pier11 ein.